Der neue chinesische Botschafter - Qian Minjian - begrüsste die Gäste im Beisein seiner Gattin am Eingang zum Grossen Saal. (Casino Bern, 22.9.2025)
Am 22. September 2025 fanden im Casino Bern die Feierlichkeiten zum 75jährigen Jubiläum der schweizerisch-chinesischen Beziehungen statt. Einziger Journalist vor Ort: Roger Köppel. Ist das noch Journalismus? Ist das noch Diplomatie?
Am 22. September 2025 fanden in Bern die Feierlichkeiten zum 75jährigen Jubiläum der schweizerisch-chinesischen Beziehungen statt – ein historischer Anlass, der mit großem Aufwand und kultureller Finesse begangen wurde. Gastgeberin war die chinesische Botschaft. Während im Casino Bern Seide, Klangkunst und diplomatische Gesten aufeinandertreffen, bleibt die große Mehrheit der Schweizer Medienvertreter auffällig fern. Lediglich Roger Köppel von der Weltwoche fand den Weg zur Veranstaltung – als einziger Journalist.
Dabei war der Abend alles andere als beiläufig inszeniert. Ein chinesisches Ensemble präsentierte traditionelle Musik auf höchstem Niveau, visuelle Live-Projektionen erzählten bildgewaltig von Geschichte und Zukunft der bilateralen Beziehungen, und ein opulentes Buffet spiegelte die kulinarische Vielfalt Chinas wider. Ehrengast war Ständeratspräsident Andrea Caroni, der als ranghöchster Vertreter der Schweizer Politik dem Anlass zusätzliches Gewicht verlieh. Der neue chinesische Botschafter – Qian Minjian – begrüßte die Gäste persönlich – eine Geste mit Symbolkraft. Der Abend strahlte Stil und Substanz aus und vermittelte vor allem eines: Die Beziehungen zwischen der Schweiz und China sind tief verwurzelt, vielschichtig und wichtiger denn je.










Was nicht ins Narrativ passt, wird ausgeblendet
Doch wer nicht selbst anwesend war, bekam davon kaum etwas mit. Die mediale Berichterstattung blieb nahezu aus – ein Umstand, der kaum dem Zufall geschuldet sein dürfte. Vielmehr scheint sich darin ein Muster abzuzeichnen: eine zunehmend einseitige, anti-chinesisch geprägte Erzählweise, die sich durch weite Teile der westlichen Presselandschaft zieht. Nicht das, was berichtet wird, ist dabei entscheidend, sondern vor allem das, was ausgespart bleibt. Positive Entwicklungen, kultureller Austausch, diplomatische Erfolge – all das findet kaum Eingang in die öffentliche Wahrnehmung, weil es nicht in das dominante Narrativ passt.
In einer Medienlandschaft, in der China bevorzugt als Bedrohung, Gegner oder autoritäre Dystopie inszeniert wird, hat ein Festakt der Völkerverständigung offenbar keinen Platz. Kritik wird als moralisch notwendig verstanden, Dialog hingegen als Zeichen von Schwäche. Das Resultat ist ein Schwarz-Weiß-Denken, das jede Differenzierung unterbindet. Dass die Schweiz bereits 1950 als eines der ersten westlichen Länder die Volksrepublik China anerkannt hat, dass sie 2013 als erstes kontinentaleuropäisches Land ein Freihandelsabkommen mit Peking abschloss und dass die Beziehungen 2025 wirtschaftlich stark, politisch stabil und kulturell lebendig sind – all das sind Fakten, die nicht ins etablierte Problem-Narrativ passen und daher schlicht ignoriert werden.
Schweigen als journalistische Haltung?
So war die Ironie des Abends nicht zu übersehen: Während im Festsaal Freundschaft gefeiert und kulturelle Brücken gebaut wurden, demonstrierten westliche Medien das genaue Gegenteil – Desinteresse, Abgrenzung und eine subtile Form der Zensur durch Schweigen. Ein Ereignis, das journalistisch betrachtet mindestens eine halbe Zeitungsseite wert gewesen wäre, verschwand im medialen Off. Und genau darin liegt die eigentliche Aussagekraft dieses Abends. Framing bedeutet nicht nur, wie berichtet wird – sondern auch, worüber man gar nicht erst spricht.
Der Abend in Bern war damit nicht nur ein Lehrstück über Diplomatie, sondern auch über mediale Wirklichkeitskonstruktion. Dass China gefeiert wurde, aber medial nicht stattfand, ist mehr als nur ein blinder Fleck – es ist ein Symptom. Wer selektiv berichtet, verliert über kurz oder lang den Anspruch auf journalistische Objektivität. Vielleicht ist es an der Zeit, den Medien einen Spiegel vorzuhalten – oder sie zumindest daran zu erinnern, worin ihre Aufgabe eigentlich besteht: zu berichten, nicht zu bewerten. Und schon gar nicht: wegzulassen.

