Ein Kind braucht beide: Mutter und Vater.
Die Welt ist gespalten. Zwischen dem streitenden Scheidungspaar – USA und China – befindet sich Europa, schockiert über die plötzliche Abwendung des Vaters – Amerika – und gewillt in der Verzweiflung einen Schritt auf die Mutter – China – zuzugehen. Die Sozialen sträuben sich bei einem lautstarken “Fuck you, Vater!” gegen sämtliche Annäherungsversuche und haben für die Mutter sowieso kein Wort mehr übrig. Dabei vergessen sie, dass es einst der – abgefuckte – Vater gewesen war, der behauptete: Mama ist des Teufels.
Kürzlich hat ein bekannter chinesischer Wirtschaftsexperte – Zhao Xiao – für Furore gesorgt, indem er den Zollkrieg als Symptom eines Kulturkrieges bezeichnete. “Der dritte Weltkrieg”, so Zhao, “ist ein Krieg, bei dem es um die Verteidigung von kulturellen Identitäten und politischen Systemen geht.” Dabei wagt der Professor an der Beijing Universität den Vergleich mit einem chinesischen Unterhaltungsspiel – Mah-Jongg. Wer das Gefühl habe, er müsse sich nicht an die Regeln halten, werde irgendwann nicht mehr am Spieltisch geduldet. Für Zhao ist klar: “Wenn ein Land, das auf Wechselkursmanipulation, Zensur und staatliche Subventionen setzt, vom freien Handel spricht, ist das, wie wenn ein Mah-Jongg-Spieler ständig Steine tauscht oder stiehlt und danach den anderen vorwirft die Regeln zu missachten.” Trumps Appell ist klar. Er richtet sich einzig und allein gegen seinen Erzfeind China. “Entweder ihr haltet euch an die Regeln, oder aber ihr haltet euch fern vom Spieltisch.” Mit Spieltisch ist der internationale Markt gemeint. Inzwischen ist Chinas Macht aber so gross, dass es kontern kann: “Wer ist hier der Boss?” Nach Zhao wird die Globalisierung gerade neu definiert. Nationen, die bereit wären, gegenseitige Bedingungen zu akzeptieren, würden sich zusammentun. Und Deutschland?
Wir müssen uns neutral verhalten. Unser Land kann es sich nicht leisten von einer Abhängigkeit in die nächste zu taumeln. Die Annahme, dass wir es alleine schaffen würden, ist eine Illusion. Alle, die denken, es würde genügen, wenn wir alle Karten auf die Europäische Union setzen, glauben auch daran, dass ein Rettungsring mehr Menschen rettet, je mehr sich daran festklammern. Der dritte Weltkrieg ist ein Krieg der Emotionen. Er erfordert einen kühlen Kopf und Standfestigkeit. Nichts wäre schlimmer als eine Herangehensweise, welche sich von Vorurteilen oder Emotionen leiten lässt. Die Politik der Zukunft heisst: interessenorientierte Diplomatie. Ein Satz, den jedes chinesische Schulkind lernt, lautet: Mei you yong heng de pengyou, zhi you yongheng de liyi. Was wie Bahnhof mal Bahnhof tönt, offenbart das Problem: wir kennen weder die chinesische Sprache, noch ihre Kultur. Wie wollen wir über etwas urteilen, wovon wir keine Ahnung haben? In einer Welt, in der es um die Verteidigung von Kulturen und politischen Systemen geht, kann der obige Ausdruck als Leitsatz für eine zukunftsorientierte Diplomatie dienen. Die Übersetzung lautet: es gibt keine ewigen Freundschaften, nur ewige Vorteile. Die Epoche des scheinheiligen Gut-Menschentums, bei der es reichte, mit dem Finger auf andere zu zeigen, ist vorbei. Donald Trump läutet das Zeitalter der Wahrheit ein. Europa darf sich nicht instrumentalisieren lassen. Wir brauchen beide: Amerika und China.
