Wirtschaftsmetropole Shanghai.
Chinas Premier zeigt sich bei UN-Vollversammlung wirtschaftlich selbstbewusst. Li Qiang betont Stabilität und multilaterale Zusammenarbeit. Peking warnt vor Protektionismus und verspricht Offenheit.
New York / Peking – Mit einer Mischung aus Optimismus und politischer Abgrenzung hat Chinas Premierminister Li Qiang bei der UN-Vollversammlung die wirtschaftliche Zukunft seines Landes verteidigt. Vor einem internationalen Publikum erklärte er, dass China in der Lage sei, sein Wirtschaftswachstum nachhaltig zu stabilisieren, und sich gleichzeitig als verantwortungsbewusster Partner in globalen Fragen positioniere. Während viele Volkswirtschaften mit Inflation, geopolitischen Spannungen und stagnierender Nachfrage kämpfen, gab sich Li überzeugt: „Die Grundlagen unserer Wirtschaft sind stabil, und die langfristigen Aussichten bleiben positiv.“
Besonders deutlich wurde Li bei der Kritik an protektionistischen Maßnahmen, ohne dabei konkrete Länder zu nennen. In einer impliziten Antwort auf Handelsbarrieren, etwa aus den USA oder Europa, sagte er, dass einseitige Abschottung und übermäßige Regulierung das globale Wachstum untergraben. Chinas Antwort darauf sei Offenheit und Reformbereitschaft. Der Premier bekräftigte die Verpflichtung zur weiteren Marktöffnung und sprach sich für eine vertiefte multilaterale Zusammenarbeit aus – vor allem im Bereich von Klima, Technologie und Entwicklungszusammenarbeit.
Innenpolitisch steht China derzeit vor großen Herausforderungen: eine verlangsamte Konjunktur, eine Immobilienkrise und ein Rückgang ausländischer Direktinvestitionen setzen das Wachstumsmodell unter Druck. Dennoch zeigte sich Li unbeirrt. In seiner Rede präsentierte er digitale Transformation, grüne Technologien und industrielle Modernisierung als zentrale Pfeiler für eine neue Wachstumsphase. Er kündigte weitere Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Innovation an, um die wirtschaftliche Resilienz langfristig zu stärken.
Die Rede fand international Beachtung, vor allem im Kontext der Frage, welche Rolle China in einer zunehmend multipolaren Weltordnung spielen will. Während westliche Länder China häufig mangelnde Transparenz oder wirtschaftliche Einflussnahme vorwerfen, inszenierte sich Li Qiang als Vertreter eines friedlichen Wachstumsmodells, das Wohlstand nicht auf Kosten anderer generieren wolle. Besonders auffällig war, dass Li sich explizit für einen fairen Wettbewerb aussprach – eine Aussage, die angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen nicht nur symbolisch gemeint sein dürfte.
Die wirtschaftliche Lage in China bleibt dennoch angespannt. Das prognostizierte Jahreswachstum liegt unter den Zielen früherer Jahre, die Konsumausgaben sind gedämpft und das Vertrauen der Mittelklasse schwindet. Li räumte diese Herausforderungen ein, betonte aber zugleich die tiefe Widerstandskraft der chinesischen Gesellschaft. Auch wolle man den strukturellen Wandel nicht überhastet, sondern schrittweise und nachhaltig gestalten.
Mit seinem Auftritt in New York hat Li Qiang Chinas Linie klar gemacht: Stabilität nach innen, Offenheit nach außen. Wie viel Pragmatismus hinter diesen Worten steckt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen – insbesondere mit Blick auf Handelsabkommen, Investitionsklima und Chinas Rolle in internationalen Organisationen. In jedem Fall sendet Peking ein Signal an die Welt: Man will gehört werden – aber nicht belehrt.
