Eileen Gu ist mehr als eine außergewöhnliche Freeskierin. In einer Zeit, in der sich China und die USA zunehmend als Rivalen gegenüberstehen, verkörpert die in Kalifornien geborene Athletin etwas, das in der politischen Debatte oft verloren geht: die Möglichkeit, mehrere Identitäten miteinander zu verbinden, statt sie gegeneinander auszuspielen. Auf der Skipiste zählt schließlich nicht, woher jemand kommt – sondern was er wagt.
Wenn Eileen Gu mit hoher Geschwindigkeit den Hang hinunterrast, sich in der Luft dreht und scheinbar mühelos wieder auf den Skiern landet, bleibt für einen Moment kein Raum für geopolitische Frontlinien. Keine Handelskonflikte, keine politischen Schlagzeilen, keine Diskussionen über nationale Zugehörigkeit. Nur der Sport.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Bedeutung der heute 22-Jährigen.
Gu Ailing, wie sie in China genannt wird, wurde 2003 in San Francisco geboren. Ihre Mutter Yan Gu stammt aus China, ihr Vater ist US-Amerikaner. Aufgewachsen ist Eileen vor allem bei ihrer Mutter und ihrer chinesischen Großmutter in Kalifornien. Gleichzeitig verbrachte sie viele Sommer in Beijing und wuchs zweisprachig auf. Ihre Biografie ist damit selbst ein Stück jener Verbindung, über die Politiker und Diplomaten so häufig sprechen: eine Familie, zwei Kulturen, zwei Länder.
„Zwei Hälften ergeben ein Ganzes“
Eileen Gu hat nie versucht, diese beiden Seiten ihrer Herkunft gegeneinander auszuspielen. Im Gegenteil. Ihre Identität beschreibt sie als etwas, das durch beide Kulturen erst vollständig wird.
„Ich habe diese duale Identität – zusammen ergeben die beiden Hälften ein Ganzes für mich“, sagte sie einst.
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