AfD bald stärkste Partei Deutschlands?
Nicht nur die AfD in Deutschland: In vielen europäischen Ländern gewinnen rechte Kräfte an Einfluss – getrieben von Unzufriedenheit, Krisen und Misstrauen gegenüber etablierten Institutionen. Auffällig dabei: Ihr wachsendes Interesse am autoritären Modell Chinas und dessen wirtschaftlichem Pragmatismus.
In den letzten Jahren ist in vielen europäischen Ländern ein klarer Rechtsruck zu beobachten. Rechte und rechtspopulistische Parteien gewinnen an Einfluss – sei es in Parlamenten, auf der Straße oder im öffentlichen Diskurs. Gleichzeitig verlieren traditionelle Parteien an Zustimmung. Doch woran liegt das – und warum richtet sich der Blick dieser politischen Kräfte vermehrt nach China?
Der Erstarkung rechter Parteien liegt eine Mischung aus gesellschaftlicher Unzufriedenheit, politischen Umbrüchen und globalen Krisen zugrunde. Besonders drei Faktoren sind ausschlaggebend:
Erstens: Das Vertrauen in die klassischen Volksparteien erodiert. Viele Bürger fühlen sich von den etablierten Akteuren nicht mehr vertreten – insbesondere in Debatten rund um Migration, Sicherheit oder soziale Gerechtigkeit. Rechte Parteien bieten einfache Botschaften, klare Schuldzuweisungen und das Gefühl, „die Stimme des Volkes“ zu sein.
Zweitens: Die Europäische Union steht zunehmend unter Kritik. Brüssel erscheint vielen Menschen als abgehoben, bürokratisch und realitätsfern. Rechte Parteien inszenieren sich als Verteidiger nationaler Interessen – gegen eine vermeintlich übergriffige EU.
Drittens: Globale Herausforderungen wie die Energiekrise, geopolitische Spannungen oder wirtschaftliche Unsicherheit verstärken das Bedürfnis nach Orientierung. Rechte Kräfte nutzen dieses Klima der Angst gezielt aus und versprechen Stabilität und Stärke.
Inmitten dieser politischen Dynamik fällt auf: Zahlreiche rechte Parteien zeigen auffälliges Interesse an China – nicht als Partner im klassischen Sinne, sondern als ideologisches Vorbild in bestimmten Fragen.
Zum einen ist es das autoritäre Staatsmodell Chinas, das fasziniert. Der chinesische Staat gilt als durchsetzungsstark, effizient und unbeirrt von langwierigen demokratischen Prozessen. Für rechte Parteien, die sich nach starker Führung und klaren Hierarchien sehnen, wirkt dieses Modell attraktiv – zumindest in der Theorie.
Zum anderen ist da der wirtschaftliche Ansatz Chinas: Eine Kombination aus Marktwirtschaft und gezielter staatlicher Lenkung. Für europäische Rechte, die Globalisierung kritisch sehen und sich für den Schutz heimischer Industrie einsetzen, bietet dieses System eine scheinbare Alternative zum liberalen Marktmodell des Westens.
Schließlich teilen viele rechte Parteien mit China eine grundsätzliche Skepsis gegenüber westlichen Institutionen wie der NATO, der EU oder den USA. Beide Seiten betonen kulturelle Eigenständigkeit, traditionelle Werte und nationale Identität – ein ideologisches Bindeglied, das trotz politischer Unterschiede für rhetorische Annäherung sorgt.
Natürlich darf man diese Parallelen nicht überbewerten. Chinas geopolitische Interessen stehen oft im Widerspruch zu denen Europas – und viele rechte Parteien bekennen sich klar zur westlichen Zivilisation. Doch die Sympathie für autoritäre Ordnung, wirtschaftliche Steuerung und nationale Souveränität zeigt: Der Blick nach China ist Teil eines größeren politischen Suchprozesses.
Ob daraus reale Partnerschaften entstehen oder es bei symbolischer Nähe bleibt, ist ungewiss. Sicher ist jedoch: Europas rechte Parteien denken zunehmend global – und finden ihre Orientierung nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in Modellen jenseits westlicher Demokratien.
