Peking, 19. August 2026 – Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping hat am Dienstag, dem 18. August, den ecuadorianischen Präsidenten Daniel Noboa zu einem Staatsbesuch in Peking empfangen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die wirtschaftliche Zusammenarbeit, der bilaterale Freihandel, Energie und Rohstoffe sowie neue Kooperationen in Bereichen wie Digitalisierung, erneuerbare Energien und künstliche Intelligenz. Zugleich bekräftigten beide Seiten ihre politische Nähe.
Der Besuch ist politisch bemerkenswert: 2026 feiern China und Ecuador zehn Jahre seit der Aufwertung ihrer Beziehungen zu einer umfassenden strategischen Partnerschaft. Noboa ist zudem erstmals zu einem Staatsbesuch in China. Bereits im Juni 2025 hatte Xi ihn in Peking getroffen, als Noboa am Weltwirtschaftsforum in Tianjin teilnahm.
Ein Verhältnis, das vor allem wirtschaftlich gewachsen ist
Die diplomatischen Beziehungen zwischen China und Ecuador bestehen seit 1980. 2015 wurden sie zu einer strategischen Partnerschaft aufgewertet, 2016 folgte die heutige umfassende strategische Partnerschaft. In den vergangenen Jahren hat sich daraus eine enge Wirtschaftsbeziehung entwickelt.
China ist nach Angaben des chinesischen Außenministeriums inzwischen Ecuadors zweitgrößter Handelspartner. 2025 erreichte das bilaterale Handelsvolumen rund 17,33 Milliarden US-Dollar. Ecuador exportiert unter anderem Erdöl, Garnelen, Mineralien, Bananen und Holz nach China. China liefert unter anderem Fahrzeuge und Autoteile, Maschinen und Elektroprodukte, Stahl und Kunststoffwaren.
Ein entscheidender Schritt war das Freihandelsabkommen zwischen China und Ecuador, das 2023 unterzeichnet wurde und am 1. Mai 2024 in Kraft trat. Peking sieht darin einen wichtigen Motor für das weitere Wachstum des bilateralen Handels. Nach chinesischen Angaben stieg der Handel 2025 gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent.
Auch 2026 setzt sich diese Dynamik fort. Nach Angaben des chinesischen Generalkonsulats in Guayaquil belief sich der bilaterale Handel allein im ersten Quartal 2026 auf rund 4,76 Milliarden US-Dollar, ein Plus von mehr als 21 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. China erwartet, dass der jährliche Handel mittelfristig die Marke von 20 Milliarden US-Dollar überschreiten könnte.
Von Rohstoffen bis zur digitalen Wirtschaft
Bei seinem Treffen mit Noboa legte Xi den Schwerpunkt auf eine weitere Vertiefung dieser wirtschaftlichen Verbindung. Nach dem Bericht von Xinhua sollen beide Länder ihre Entwicklungsstrategien stärker miteinander verzahnen und die bereits vereinbarte Zusammenarbeit im Rahmen der **Neuen Seidenstraße („Belt and Road“) ** umsetzen.
Genannt wurden insbesondere Energie, Rohstoffe, Infrastruktur und Finanzen. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit auf Zukunftsbereiche ausgeweitet werden: digitale Wirtschaft, grünes Wachstum, erneuerbare Energien und künstliche Intelligenz. Auch die medizinische Versorgung, Katastrophenschutz und Armutsbekämpfung wurden als mögliche Felder der Kooperation genannt.
Damit geht es für Peking und Quito längst um mehr als klassischen Warenhandel. Ecuador besitzt für China aufgrund seiner Rohstoffbasis, seiner Agrarprodukte und seiner Lage am Pazifik strategische Bedeutung. Für Ecuador wiederum eröffnet der chinesische Markt Zugang zu einem der weltweit größten Absatzmärkte und zu chinesischem Kapital, Technologie und Infrastruktur.
Die Neue Seidenstraße spielt eine wichtige Rolle
Ecuador trat 2018 der chinesischen Belt-and-Road-Initiative bei. Im Juni 2025 unterzeichneten beide Länder zudem einen konkreteren Kooperationsplan zum gemeinsamen Aufbau der Neuen Seidenstraße. Damit wurde die wirtschaftliche Zusammenarbeit institutionell weiter ausgebaut.
Für Noboa ist China insbesondere als Absatzmarkt interessant. Ecuador versucht, seine Exporte – etwa von Garnelen, Bananen, Fleisch, Holz und weiteren Agrarprodukten – auszuweiten. Gleichzeitig wirbt die Regierung in Quito um chinesische Investitionen in Infrastruktur, Energie, Bergbau und andere strategische Branchen.
Die wirtschaftliche Beziehung ist dabei nicht vollkommen ausgeglichen: Ecuador profitiert stark vom Zugang zum chinesischen Markt, während China gleichzeitig einen wichtigen Lieferanten von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Produkten gewinnt. Das Freihandelsabkommen soll nach chinesischer Darstellung dazu beitragen, die Handelsstruktur weiter auszubauen.
Politische Nähe: Ecuador unterstützt Chinas Position zu Taiwan
Neben den Wirtschaftsfragen hatte das Treffen eine klare politische Dimension. Noboa erklärte laut Xinhua, Ecuador unterstütze China bei der Wahrung seiner Souveränität und territorialen Integrität und respektiere die chinesische Position in der Taiwan-Frage.
Das ist für Peking ein wichtiger Punkt. China versucht in Lateinamerika, seine Beziehungen nicht ausschließlich auf Handel zu beschränken, sondern auch politische Unterstützung für seine Kernpositionen zu gewinnen. Ecuador gehört dabei zu den Staaten, die die Ein-China-Politik unterstützen.
Noboa wiederum bezeichnete China als wichtigen Partner und Freund Ecuadors und erklärte, sein Land wolle die politische Vertrauensbasis sowie die Zusammenarbeit in Handel, Finanzen, Bergbau, erneuerbaren Energien, Technologie und Kultur ausbauen. Außerdem lud er chinesische Unternehmen ausdrücklich dazu ein, in Ecuador zu investieren.
Auch Lateinamerika war Thema
Interessant ist, dass Xi und Noboa nicht nur über bilaterale Beziehungen sprachen. Beide tauschten sich auch über die Lage in Lateinamerika und der Karibik aus.
Xi betonte dabei Chinas Unterstützung für die politische Eigenständigkeit der Staaten der Region. Nach chinesischer Darstellung sollten lateinamerikanische Länder selbst entscheiden können, mit welchen Partnern sie kooperieren. Das ist auch vor dem Hintergrund des zunehmenden Wettbewerbs zwischen China und den USA um Einfluss in Lateinamerika relevant.
Noboa bezeichnete Ecuador als einen „guten Freund“ Chinas auf der anderen Seite des Pazifiks. In einem von CCTV verbreiteten Beitrag sagte er sinngemäß, China könne bei der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit auf Ecuador zählen.
Warum der Besuch gerade jetzt interessant ist
Der Besuch zeigt, wie sich Chinas Beziehungen zu Lateinamerika weiterentwickeln. Ecuador ist zwar kein wirtschaftliches Schwergewicht der Region, besitzt für China aber mehrere Vorteile: einen wachsenden Absatzmarkt, wichtige Rohstoffe und Agrarprodukte, einen Zugang zum Pazifik und eine Regierung, die eine pragmatische Zusammenarbeit mit Peking verfolgt.
Für Noboa ist China wiederum ein wichtiger Partner bei der wirtschaftlichen Diversifizierung. Ecuador ist stark vom Export abhängig und benötigt Investitionen, neue Absatzmärkte und Infrastruktur. Der chinesische Markt bietet insbesondere für Garnelen, Bananen und andere Agrarprodukte erhebliche Chancen.
Gleichzeitig steht Ecuador traditionell in einem engen Verhältnis zu den USA. Die Vertiefung der Beziehungen zu China bedeutet daher nicht automatisch eine Abkehr von Washington. Vielmehr verfolgt Quito eine Politik, bei der wirtschaftliche und politische Beziehungen zu mehreren großen Partnern genutzt werden.
Mehr als ein protokollarischer Staatsbesuch
Der Empfang im Pekinger Großen Saal des Volkes war entsprechend bewusst aufgewertet. Vor den Gesprächen empfing Xi Noboa mit einer offiziellen Zeremonie; anschließend folgten die bilateralen Gespräche und ein Staatsbankett. Beide Staatschefs wohnten zudem der Unterzeichnung mehrerer Kooperationsdokumente bei, unter anderem in den Bereichen grüne Industrie, Handel, digitale Wirtschaft und gesellschaftliche Entwicklung.
Am Mittwoch, dem 19. August, setzte Noboa sein Programm in Peking fort. Unter anderem traf er den Vorsitzenden des chinesischen Nationalen Volkskongresses, Zhao Leji. Dabei bekräftigte auch Noboa, Ecuador sehe China als „guten Freund und Partner“ und wolle die Zusammenarbeit in Handel und Investitionen weiter vertiefen.
Ein Verhältnis mit strategischer Perspektive
Der Kern des Besuchs lässt sich damit auf drei Ebenen zusammenfassen: Handel, Investitionen und politische Abstimmung. Das Freihandelsabkommen schafft die wirtschaftliche Grundlage, die Belt-and-Road-Kooperation erweitert sie um Infrastruktur und langfristige Entwicklungsprojekte. Politisch signalisiert Ecuador zugleich, dass es Chinas Positionen bei zentralen Fragen wie Taiwan respektiert.
Für Peking ist Ecuador damit ein weiterer wichtiger Partner an der Pazifikküste Lateinamerikas. Für Quito wiederum bietet China einen großen Markt und einen finanz- und investitionsstarken Partner. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob aus dem bereits stark gewachsenen Handelsverhältnis tatsächlich eine breitere strategische Partnerschaft mit mehr chinesischen Investitionen und neuen Projekten in Ecuador entsteht.
Quellen: Xinhua – Xi Jinping trifft Daniel Noboa am 18. August 2026 · CCTV – Xi Jinping und Noboa führen Gespräche· China News – Bericht zum Treffen · Chinesisches Außenministerium – bilaterale Beziehungen China–Ecuador













